• Svenska
  • Deutsch
  • Dansk
  • Nederlands
  • English

Die "Straße der Megalithkultur" in Nordwestdeutschland

Der Ursprung von „Megalithic Routes“ ist die „Straße der Megalithkultur“, eine touristische Ferienstraße im Nordwesten von Deutschland. Sie entstand im Jahre 2006 aus einem Zusammenschluss von Touristikern, Archäologen, Astronomen und Historikern und hatte zum Ziel, die über 5.000 Jahre alten „Hünengräber“ zu einem neuen Markenzeichen der Regionen Osnabrücker Land, Emsland und Wildeshauser Geest zu machen. In jeder dieser Regionen finden sich Zentren mit einer Häufung an megalithischen Grabanlagen.
Überwiegend handelt es sich um so genannte Ganggräber. Sie unterscheiden sich in ihrer Bauweise deutlich von den namensgleichen Anlagen in Dänemark und Südskandinavien – weisen aber eine große Ähnlichkeit mit den „Hunebedden“ in der niederländischen Provinz Drenthe auf.
In Nordwestdeutschland belegen zahlreiche historische Dokumente, Sagen und Legenden die hohe Bedeutung der Megalithgräber für die Vorstellungswelt und den Volksglauben der einheimischen Bevölkerung seit dem Mittelalter. Viele Anlagen tragen ungewöhnliche Namen, die an den Teufel, an Wesen mit übernatürlichen Kräften und an legendäre Volkshelden erinnern.
Die „Straße der Megalithkultur“ verläuft zwischen den Städten Osnabrück, Meppen und Oldenburg, ist 330 km lang und verbindet die historisch interessantesten, attraktivsten und am besten erhaltenen  Megalithgräber miteinander. Seit dem 27. April 2014, dem europaweiten „Tag der Megalithkultur“, ergänzt eine vollständig ausgeschilderte Radroute die im Jahre 2009 eröffnete Autoroute. Zusätzlich existiert seit 2005 zwischen dem Osnabrücker Land, dem Emsland und der niederländischen Provinz Drenthe der Fernwanderweg „Hünenweg“.

Das Osnabrücker Land  
Am südlichen Ende der „Straße der Megalithkultur“ liegt die Stadt Osnabrück. Hier geht die Norddeutsche Tiefebene in das südlich anschließende Westfälische Bergland über und hier endet auch das Verbreitungsgebiet der nordwestdeutschen Ganggräber. In diesem Gebiet werden viele archäologische Fundplätze mit den Namen der berühmten Heerführer aus der Zeit der Sachsenkriege  (772 – 804 n. Chr.) in Verbindung gebracht, so auch eines der extrem seltenen Megalithgräber aus vor Ort anstehendem Felsgestein. Es heißt Karlssteine, weil der Sage nach der Frankenkönig Karl der Große mit seiner Reitgerte den gewaltigen Deckstein in drei Teile zerschlagen hat. Die Frau seines Widersachers, des Sachsenführers Wittekind, liegt angeblich ganz in der Nähe unter den Gevasteinen begraben – ebenfalls ein jungsteinzeitliches Ganggrab aus der 2. Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr.
Im Norden des Osnabrücker Landes ist mit dem Hünengrab in Hekese ein weiteres ungewöhnliches Megalith-Bauwerk vorhanden. Hier liegen zwei einzelne Grabkammern 53 m weit auseinander, gehören aber offensichtlich zusammen, denn zwischen ihnen verläuft eine Reihe aus dicht nebeneinander gesetzten Findlingen.

Das Emsland
Vermutlich liegt der Ursprung des bis heute in Nordwestdeutschland üblichen Namens „Hünengrab“ im Emsland, denn aus dieser Region stammt der berühmte Universalgelehrte Johan Picardt. Er veröffentlichte 1660 seine Thesen von den „grausamen und barbarischen Riesen, Hünen oder Giganten“ als den Erbauern der Megalithgräber. Mutigen Menschen, die sich mit schweren Holzkeulen bewaffnet hätten, sei es jedoch gelungen, diese Tyrannen in die Flucht zu schlagen.
Die meisten der ursprünglich im Emsland vorhanden gewesenen Anlagen sind heute zerstört, denn der Verkauf der Findlinge als Baumaterial in das benachbarte Holland erwies sich im 18. und 19. Jahrhundert als lukratives Geschäft – bis sich hier Mitte des 19. Jahrhunderts der Denkmalschutzgedanke durchsetzte. Mehr als 60 eindrucksvolle Zeugnisse der Megalithkultur sind dadurch erhalten geblieben, z.B.  das Grab in Thuine mit einer ungewöhnlich aufwendigen Einfassung aus einer doppelten Steinreihe oder die Ansammlung von neun Megalithanlagen im Hümmling (ursprünglich: 22), die so angeordnet sind, dass von einer regelrechten „Hünengräberstraße“ die Rede ist.

Die Wildeshauser Geest    
Südlich von Oldenburg liegt die Kreishauptstadt Wildeshausen – berühmt wegen seiner schon im 9. Jahrhundert n. Chr. erbauten Alexanderkirche mit den Reliquien des Heiligen Alexanders aus Rom. Nicht weniger bekannt sind die vielen baulichen Zeugnisse aus der Zeit der Megalithkultur in der weiträumigen Umgebung, dem Naturpark Wildeshauser Geest. Hier befinden sich unter anderem mehrere so genannter Hünenbetten,  die mit einer Länge von bis zu 104 Metern und einer ursprünglichen Gesamtzahl von bis zu 170 Findlingen pro Anlage als die größten noch erhaltenen Beispiele für Grabbauten aus der Zeit der Trichterbecherkultur gelten. Auch in der nachfolgenden Bronzezeit scheint die Wildeshauser Geest ein attraktiver Lebensraum gewesen zu sein, denn in enger Nachbarschaft zu den Megalithgräbern sind zahlreiche Grabhügel errichtet worden. Besonders berühmt ist das „Pestruper Gräberfeld“, das mit über 500 erhaltenen Grabhügeln als das größte oberirdisch erhaltene vorgeschichtliche Bestattungsareal im nördlichen Mitteleuropa gilt. Die Wildeshauser Geest wird daher allgemein zu Recht auch als „Urgeschichtliches Zentrum“ bezeichnet.
Im „Landesmuseum für Natur und Mensch“ in der nahe gelegenen Großstadt Oldenburg endet die „Straße der Megalithkultur“. Das Museum zeigt in einer modern gestalteten Dauerausstellung die wechselvolle Geschichte von der innigen Beziehung zwischen Mensch und Natur seit über 6.000 Jahren.